Mit Gravelbike oder Mountainbike auf den Brocken? Der ehrliche Vergleich für den Harz
Der Brocken ist der Prüfstein für jede Radentscheidung im Harz. In diesem Artikel erfährst du, warum nicht die Steigung, sondern der Untergrund über Gravelbike oder Mountainbike entscheidet und welches Rad zu welcher Auffahrt wirklich passt.

Es muss nicht immer Bikepark sein

Thale, Braunlage, Andreasberg, Hahnenklee, Schulenberg, die Harzer Bikeparks sind gesetzt wenn es um Adrenalin geht. Wer Bikeparks fährt will einfach mit dem Lift rauf und Downhill wieder runter. Aber der Harz kann mehr als Shuttle und Abfahrt und am Ende des Downhill-Trails wartet noch ganz viel Harz auf dich! Und genau da zieht es viele MTB-Fahrer eben auch hin. Wir präsentieren in diesem Artikel einfach mal eine tolle und lohnenswerte Alternative zu den bekannten Bikeparks. Man kann ja auch mal Uphill fahren!

Wer den höchsten Berg Norddeutschlands, den Brocken, aus eigener Kraft hochtritt, bekommt 1.141 Meter Gipfel, Kolonnenwege aus DDR-Zeiten und je nach Route Schotter, Asphalt oder Wurzelteppich unter die Reifen. Genau hier stellt sich die Frage, die in jedem zweiten Harz-Forum diskutiert wird: Gravelbike oder Mountainbike?

Die Tour ist überschaubar – grob 800 Höhenmeter, um die 35 Kilometer für Auffahrt und Rückweg, kurze Rampen bis 14 Prozent. Klingt nach einer klaren Sache. Ist es aber nicht.

Die Auffahrten: der Untergrund entscheidet!

Es gibt nicht die eine Strecke auf den Brocken, sondern mehrere, und sie unterscheiden sich massiv im Bodenbelag!

Die Brockenstraße ab Schierke ist die zahmste Variante: durchgehend Asphalt in gutem Zustand, im Schnitt fünf bis sechs Prozent, erst auf dem letzten Kilometer kurz zweistellig. Für privaten Autoverkehr ist sie gesperrt, Fahrräder dürfen hoch. Auf dieser Rampe ist selbst ein Rennrad glücklich. Ein Fahrer berichtet uns, mit 34-28 und rund 100 Kilo auf den Rippen sauber hochgekommen zu sein.

Ganz anders der Kolonnenweg ab Ilsenburg über Eckertalsperre und Hirtenstieg: die berüchtigten Betonplatten der ehemaligen Grenze, mit Fugen und Vertiefungen, die bei Tempo gnadenlos durchschlagen. Bergauf zäh, bergab ein Materialtest. Wer hier mit dem Gravel runter fährt, hat hinterher Handgelenke und Unterarme, die den Physio dringend brauchen und das nächste Getränk auch.

Der Goetheweg ab Torfhaus ist zwar der kürzeste, für Räder aber der undankbarste: das letzte Stück ist mit längs verlegten Holzbohlen für die Wandermassen ausgelegt, dazwischen felsige Passagen. Rennrad und Gravel scheiden hier faktisch aus, und selbst fitte und geübte Mountainbiker schultern zwischendurch das Rad.

Dazu kommen Schottervarianten wie die alte Schierker Straße ab Oderhaus. Fester Kies, gut fahrbar, aber eben kein Asphalt. Kurz: Deine Radwahl hängt weniger vom Gipfel ab als von der Linie, die du dir auf der Karte suchst.

Gravelbike oder Mountainbike? Die ehrliche Antwort

Die Steigung ist selten das Problem. 14 Prozent klingen fies, sind aber kurz, und mit vernünftiger Übersetzung tritt man die auch auf dem Gravel weg. Ein Cyclocrosser mit 30-Millimeter-Slicks und 34-34 als kleinster Übersetzung hat es entlang der Brockenbahn nach oben geschafft. Übersetzung schlägt Federweg, solange der Boden mitspielt.

Unde genau das ist der Knackpunkt. Auf Asphalt und festem Schotter ist das Gravelbike die schnellere, effizientere Wahl, gerade wenn du eine längere Runde mit Café-Stopps fahren willst statt nur hoch und runter. Wird der Untergrund ruppig, loser grober Schotter, Wurzeln, Panzerplatten, dreht sich das Bild. Dann willst du das stabile Fahrwerk, die breiten Reifen und die Reserven eines Mountainbikes. Ein Hardtail mit 100 bis 120 Millimeter Federweg und 2,2-Zoll-Reifen ist für diese Aufgabe eine sehr dankbare Kombination.

Die ehrliche Faustregel aus unzähligen Erfahrungsberichten: Wenn du genau weißt, dass du die Asphalt- und Schotterrouten fährst, nimm das Gravel. Wenn du spontan bist, die Route nicht im Detail kennst oder die rauen Grenzwege mitnehmen willst, nimm das MTB. Es ist die Wahl für alle Eventualitäten. Mehrere Fahrer gehen genau so vor: erst mit dem Gravel die zahmen Strecken, dann fürs Grobe aufs Mountainbike gewechselt.

E-MTB ist am Brocken ein eigenes Thema. Der Motor nimmt die Höhenmeter aus der Gleichung, das Fahrwerk rettet dich über die groben Stellen. Wer die Höhenmeter scheut, aber trotzdem die rauen Wege fahren will, ist damit am entspanntesten unterwegs.

Recht, Wanderer und die beste Zeit fürs Rad

Radfahren ist im Nationalpark auf rund 96 Prozent der Wege erlaubt, es gilt aber das Wegegebot, und Fußgänger haben immer Vorrang. Auf der Brockenstraße wird das ab der Einmündung des Goethewegs ernst: die letzten anderthalb Kilometer sind an sonnigen Tagen voll mit Wanderern, da hilft nur langsam machen oder kurz schieben. Fahr früh morgens oder unter der Woche, dann gehört dir der Berg halbwegs allein.

Für alle aus Norddeutschland ist der Harz das nächstgelegene echte Mittelgebirge und die Anreise lohnt sich auch für Kurzentschlossene und den Wochenendtrip mit Freunden. Wer eine fertige Gravelrunde sucht, findet mit der Strecke des Gravel Fest rund um Wernigerode und Schierke eine gut geplante Route inklusive der im Harz beliebten Einkehrmöglichkeiten unterwegs.

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